I haven’t died at all this year, oh no.

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Ich habe lange darüber nachgedacht, ob und was für ein Resümee ich aus 2014 ziehen soll. Das Jahr hat kräftig ausgeteilt.

Ich könnte jetzt schreiben über Panikattacken und Angststörungen. Über stundenlange Heulkrämpfe in der Wohnung beim Gedanken daran, später am Tag eine halbe Stunde Zug fahren zu müssen, um zum Arzt oder zu meinen Eltern zu kommen. Oder zur Arbeit. Darüber, wie es ist, wenn man auf Konzerten (und Konzerte sind so ziemlich mein einziges wirkliches Hobby) nicht mehr die Band genießen kann, sondern nur noch auf sich selbst konzentriert ist, auf’s Atmen, aufs Nicht-Hyperventilieren, auf’s Nicht-Zusammenbrechen, wenn man nur noch guckt, wo denn der nächste Ausgang zu finden ist und was für Leute um einen herum stehen und ob die einem wohl helfen würden, würde einem der Kreislauf jetzt einfach so wegsacken. Ich könnte daüber schreiben, wie es ist, wenn man plötzlich in einer Praxis für Psychotherapie und Psychiatrie sitzt und wie es ist, wenn man – obwohl man sie schon seit Monaten nicht mehr nimmt – immer noch mit einem Blister Neuroleptika im Portemonnaie rumläuft, einfach nur so, für’s bessere Gefühl, für das Wissen, dass sie da sind, wenn man sie denn bräuchte. Für den Notfall.

Ich könnte jetzt auch lang und breit darüber schreiben, wie mich Tinder 2014 emotional noch ein Stück mehr ruiniert hat, als ich sowieso schon ruiniert bin. Wie ermüdend es ist, sich jedes Mal wieder auf diese Kennenlernspiele einzulassen und dann zu merken, „Hey, das ist ja wirklich nur ein Spiel – für den anderen“. Wie blöd das ist, wenn man merkt, dass man selber das Talent (und eigentlich ist es nichts weniger als das, ein wirkliches Talent) besitzt, sich auf Menschen einzulassen und ihnen eine Chance zu geben, die anderen Optionen nicht nur beiseite zu wischen, sondern auch wirklich links liegen zu lassen und auszublenden und sich stattdessen ernsthaft zu bemühen, um eine Person. Im selben Zuge müsste ich dann auch darüber schreiben, wie sehr einem dieses Talent in den heutigen Wisch-und-weg-Zeiten, in denen man immer nur so lange gut ist, bis jemand Besseres daher kommt, das Genick brechen kann. Oder eben das Herz.

Ich könnte das alles machen. Ich könnte über all das schreiben, seitenweise.

Ich könnte aber auch einfach das hier schreiben:

Ja, ich hatte – nicht nur in diesem, sondern vermutlich auch schon in den letzten zwei Jahren, aber jetzt hat das Kind eben einen Namen – Panikattacken und diese Angststörung. Das beschäftigt mich nach wie vor. Und ja, ich habe noch immer Tage, an denen ich denke, ich brauche die Tabletten jetzt doch. Tage, an denen ich in der U-Bahn sitze oder durch die Stadt laufe und das ungute Gefühl habe, gleich würde etwas passieren.

Aber – es passierte und passiert dann doch nichts. In 99% der Fälle. Mittlerweile fahre ich an den meisten Tagen Zug, als wäre nie etwas gewesen – erst gestern war ich fast 11 Stunden lang unterwegs von Husum zurück ins Ruhrgebiet. Und das ist auch so eine Sache, die ich trotzdem (oder wieder) mache: Alleine verreisen. Ich gehe wieder auf Konzerte, ich kämpfe mich durch volle Innenstädte, tue dies, erledige das.

Ja, man hat mir schon wieder Kerben ins Herz geschlagen. Vermutlich war ich auch ein Stück weit selbst schuld daran. Und ja, ich war einmal mehr nichts anderes als ein netter Zeitvertreib und das dann auch in den meisten Fällen nur virtuell und nicht mal wirklich – was einmal mehr zeigt, wie leicht ich Worten verfalle und wie man mich am Haken hat, wenn man mir nur das Gefühl gibt, ich würde eine kleine Rolle in einem fremden Alltag spielen, einfach so.

Aber ich könnte auch einfach ein bisschen stolz sein auf den Mut gegen jede Wahrscheinlichkeit und jede Vernunft, gegen jede Chance und jedes bessere Wissen, ich könnte mir auch einfach mal selbst auf die Schulter klopfen für die Größe und die Ehrlichkeit, die ich trotz allem immer an den Tag gelegt habe, bei jedem neuen Versuch; für das kleine Stück Authentizität in einer viel zu oft viel zu falschen Welt.

Wenn ich im letzten Jahr eins gelernt habe, dann ist das, dass manche Dinge den (versuchten) Kampf an sich vielleicht wert waren – aber nicht das Reflektieren und das Jammern danach. Dass es manchmal besser ist, Dinge einfach zu akzeptieren und sie abzuhaken – auch oder gerade dann, wenn man sie nicht verstanden hat und auch oder gerade dann, wenn man denkt, dass man unfair behandelt wurde, dass das so nicht richtig ist, dass das so nicht hätte sein, nicht hätte ausgehen dürfen, für einen.

Das ist vermutlich auch einer der Gründe dafür, weswegen es hier in den letzten Monaten so ruhig war.

Es ist nämlich manchmal wirklich ganz einfach so, wie man sagt: Die Zeit heilt alle Wunden. Jedenfalls dann, wenn man mithilft. Wenn man die Verbände regelmäßig wechselt, wenn man den Schorf abheilen lässt und nicht ständig wieder aufknibbelt, wenn man sich um sich selbst kümmert.

Die Wunden verheilen, die Narben verblassen, Gefühle werden leiser – 2014 war hart, aber es hat mich nicht umgebracht. Und das ist doch irgendwie alles, was am Ende zählt, oder?

Und jetzt ziehen wir einen Strich und gucken nach vorne:

Hallo 2015. Ich bin bereit, wenn du es bist.

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3 Gedanken zu “I haven’t died at all this year, oh no.

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