The future is unblogged.

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Blogg‘ doch mehr wie deine Mutter. Blogg‘ bloß nicht wie ich.

Drei Jahre das hier, seit heute. Ich habe gestern Nacht sehr lange darüber nachgedacht, was ich hier rückblickend schreiben kann und weil ich unkreativer bin, als man gemeinhin vermutet, habe ich zwecks Inspiration nochmal die Blog-Geburtstagsposts aus dem letzten und dem vorletzten Jahr gelesen. Und irgendwie wusste ich danach dann nicht, ob ich lachen oder weinen soll – weil in der Zwischenzeit so viel passiert ist und gleichzeitig scheinbar doch so wenig. Weil ich offensichtlich fast alles, mit dem ich im Moment hadere und fast alles, was mir gerade gedanklich zu schaffen macht, damals schon ansatzweise habe kommen sehen. Weil ich damals und zwischendurch immer mal wieder das Gefühl hatte, dass hier zu viel steht. Bei Muff Potter heißt es: „Und wieder mal war ich der Erste, der was ahnt und der Letzte, der was weiß.“ Herzlichen Glückwunsch.

Wenn aus dem vagen Gefühl irgendwann eine handfeste Erkenntnis wird (ich hatte das an dieser Stelle bereits lang und breit ausgeführt), ist es schwierig, alles wieder in geregelte Bahnen zu lenken. Weil man sich immer komisch vorkommt mit dem, was man macht; weil man sich immer wie mit Argusaugen beobachtet fühlt – und zwar gar nicht mal unbedingt von außen, sondern von sich selbst. „Self-consciousness“ würde der Engländer das vermutlich nennen, und das ist eigentlich das Schlimmste, was jemandem passieren kann, der nicht über Mode oder Musik schreibt, sondern über sich selbst. Weil self-consciousness einen hemmt und hindert und alles in Frage stellen lässt: Was man macht. Wie man ist. Wer man ist.

Das war schon immer etwas, was ich gut konnte (und ich wünschte, es wäre anders): Extrem fokussiert sein auf das, was ich mache und mehr noch darauf, wie man das eventuell auffassen könnte; was sich da in einen Text bitte, bitte nicht reininterpretieren lassen soll oder bitte, bitte doch; ob das, was ich mache, so oder so oder doch wieder ganz anders gesehen wird. Lisa Rank hatte kürlich diesen reichlich wunderbaren Text namens „Ich sage ja immer, es macht mir nichts, doch es macht mir was.“ geschrieben und ich habe mich schon lange nicht mehr so sehr in etwas wiedergefunden. Weil das nämlich so ist. Jedes Mal, mit jedem Buchstaben, mit jedem Wort, mit jedem Satz, mit jedem Text, den ich schreibe, hier oder anderswo, privat: „Es macht mir was, all das, was passiert. Es macht mir etwas aus in verschiedenen Gegenden des Herzens und des Kopfes“ – auch wenn ich das Gegenteil behaupte. Vielleicht sogar ganz besonders dann. Und weil das so ist und weil ich das schlecht abschalten kann, habe ich hier und dort bereits viele harte Kämpfe mit mir und mit dem „Senden“- und dem „Publizieren“-Button ausgefochten – nicht jeder davon ist in letzter Konsequenz gut ausgegangen. Erwartungsgemäß.

Wenn ich die letzten drei Jahre zurücklese, dann sehe ich hier jetzt, gerade, in diesem Moment, an diesem Tag, in dieser Woche und in diesem Jahr – nicht ausnahmslos, aber in rauen Mengen – viele kleine, dumme Texte mit vielen kleinen, dummen Gefühligkeiten von einem kleinen, dummen Mädchen. Und ja, natürlich – ich weiß, dass das eigentlich nicht so ist oder dass es, selbst wenn es doch so ist, eigentlich nicht so schlimm ist. Aber eben nur eigentlich. Das Schlimme daran ist an sich auch überhaupt gar nicht das, was da inhaltlich steht. Das ist alles kein Verbrechen – und falls doch, dann ist es eines, das nicht aus Mutwilligkeit begangen wurde, sondern in das man so reingestolpert ist. Auch formal ist das sicher alles okay. Ausufernd und lang und verschachtelt und kitschig, ja, bestimmt, aber das kann man alles noch so durchgehen lassen. Das Schlimme, und das klingt jetzt sicherlich paradox mit Blick auf das, was dieser Blog war und ist und immer schon sein sollte, nämlich persönlich, ist, dass ich das bin. Auszugsweise. Verschriftlicht. Vertextet. Verdichtet. Dass es hier um mich geht und um niemand anderen. Und jetzt, gerade, in diesem Moment, an diesem Tag, in dieser Woche und in diesem Jahr, finde ich das alles furchtbar unerträglich und dumm und albern. Ich komme mir blöd vor und ich habe dabei Gisbert zu Knyphausen im Ohr, wie er mich kopfschüttelnd und augenrollend ermahnt: „Du bist so groß und machst dich selbst so seltsam klein.“ Aber ach, Gisbert! Wenn du wüsstest!

Bei Lisa heißt es weiter: „Ich sagte viel zu oft, es mache mir nichts, doch es macht mir was und das ist eigentlich das Beste, was passieren kann. Sich selbst aufmachen und ehrlich sein und damit umgehen lernen, dass nicht jeder damit umgehen kann […]. Alles lieber als Taubheit und immer wieder Platz machen, aussortieren, wissen, warum man sich für etwas entschieden hat und gegen etwas anderes. Sich nicht scheuen.“

„Sich nicht scheuen.“ – Vielleicht muss ich das gerade wieder lernen und weitermachen, in spite of it all. Oder stattdessen wirklich, wirklich konsequent sein und feststellen, dass ich das alles zu lange war, angreifbar, offen und ehrlich, und jetzt nicht mehr sein kann oder will und hier zumachen, wie schon vor Wochen überlegt. (Konsequent sein – als ob ich das könnte.) Ich weiß nämlich nicht, wie lange ich das noch sein möchte, dieses kleine, dumme Mädchen mit dem kleinen, dummen Blog und den kleinen, dummen Texten, die immer ein bisschen zu sehr emo sind. Ich denke gerade viel zu häufig: Hey – da muss doch noch mehr sein und mehr gehen und da muss doch irgendwas Gutes sein, irgendwas Besseres, da muss doch auch in echt noch Luft sein für mich und nicht nur hier zwischen den ganzen Einsen und Nullen. Ich seh’s gerade bloß nicht. Ich finde es nicht. Und ich weiß auch gar nicht, wo ich suchen soll und deswegen wird das hier alles vermutlich auch einfach nur ein dummer, kleiner Text mehr sein, in dem ich ein paar große, melodramatische, aber leere Worte aneinanderreihe. Vielleicht sollte ich statt der Blogsache einfach Unmengen an Sport treiben und zehntausend Kilo abnehmen; vielleicht sollte ich lieber endlich mit meiner Masterarbeit anfangen, anstatt mir jeden Sonntag eine Stunde Zeit zu nehmen, um meine Woche hierfür zusammenzufassen – so spannend ist mein Leben ja nun wirklich nicht, als dass das ein Verlust wäre;  vielleicht sollte ich mir einen anderen Job mit schöneren Arbeitszeiten suchen, damit ich nicht immer nur schlafe und arbeite; vielleicht sollte ich einfach aufhören, das Internet mit meinem Gejammere vollzuspammen und mal ein bisschen mehr klarkommen – „H.D.F.K.K.“, wie der weise Olli Schulz so schön singt.

Vielleicht ist auch bloß das „I’m just going through a phase right now“ aus dem Blog-Header, das ich mir irgendwann mal von Holden Caulfield geklaut habe, das erste Mal, seit ich es hier stehen habe, wirklich wahr. Vermutlich mache ich gerade tatsächlich nur eine Phase durch (das verflixte 3. Jahr!) und lache morgen schon wieder darüber. Oder nicht unbedingt morgen, aber heute in einem Jahr, wenn ich den 4. Blog-Geburtstag erreicht habe, vor lauter Unkreativität wieder einmal die Texte aus dem Vorjahr lese und das hier entdecke. Vielleicht.

7 Gedanken zu “The future is unblogged.

  1. wubi says:

    Herzlichen Glückwunsch! Irgendwann von einem komischen YouTube-Video von dir über Twitter hier gelandet und mit der Zeit für gut und immer besser befunden. Wenn man dich unbekannterweise irgendwie beschreiben müsste, dann am Besten mit authentisch, sympathisch und einzigartig. Bleib so, wie du warst und bist. Wünsche dir viele weitere Jahre frohes Bloggen.

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