Irgendwann schreibe ich dir alles.

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Schweigen. Nicht, weil man Angst hat, falsch verstanden zu werden, sondern weil man Angst hat, richtig verstanden zu werden.

Weil man die Konsequenzen nicht abschätzen kann und nicht abschätzen will, weil Ungewissheit, so sehr man sie manchmal auch verflucht, eben doch ein Segen sein kann, weil die Realität doch insgeheim überbewertet wird, weil man es mit der Wahrheit doch auch gar nicht so genau wissen will, wenn man mal ehrlich ist. Weil es schwieriger ist, etwas wieder zusammen zu setzen, was einmal komplett zersprungen ist, als einen kleinen Riss zu flicken, immer mal wieder, provisorisch, wenn es gerade nötig ist, zwar stets mehr schlecht als recht, aber – so lange es hält ist doch alles in Ordnung, oder etwa nicht?

Also: Schweigen. Und trotzdem etwas sagen. Schreiben. Das, was man nicht sagen kann zwischen die Zeilen legen, verstecken, in andere Worten hüllen, verkleiden.

Und so kommt es, dass auf einmal hinter jedem „jemand“ ein „du“ und hinter jedem „man“ ein „ich“ steckt und nicht immer, aber manchmal, wenn auf den ersten Blick eine sehr allgemeine Geschichte hier oder dort oder ganz woanders Platz findet, handelt sie insgeheim von uns. Von dem, was war, was ist und was sein könnte oder von dem, was nicht war, nicht ist und niemals sein wird. Von der wunderbaren Welt der Un-Möglichkeiten.

Manchmal hoffe ich, dass du Bescheid weißt. Trotz des Schweigens, aber vielleicht wegen des Schreibens, dass du siehst, was zwischen den Zeilen steht und hinter den anderen Worten liegt, weil es so versteckt nämlich eigentlich gar nicht ist. Weil ich das eigentlich gar nicht gut kann, verstecken und verkleiden. Vielleicht empfinde aber auch nur ich das alles als offensichtlich und unversteckt, weil ich selber natürlich ganz genau weiß, was ich wohin lege, was ich zwischen die Zeilen setze, was ich mit jedem geschriebenen Wort meine (und mit jedem ungeschriebenen noch viel mehr).

Vielleicht schreibe ich irgendwann nicht mehr zwischen die Zeilen, sondern ganz genau darauf, gut leserlich, in schönster Sonntagsschrift. Vielleicht lasse ich irgendwann die Hüllen fallen, sprichwörtlich, streife das „jemand“ und das „man“ ab, stelle die Worte nackt nebeneinander und setze das „du“ neben das „ich“. Vielleicht steht hier oder dort oder ganz woanders dann irgendwann etwas ganz Schlichtes wie:

„Hey, ich… Du und ich, wir… Was ich sagen will, ist… Es könnte sein, dass ich… „

Ach. Egal.

Irgendwann schreibe ich dir alles.

Aber nicht heute.

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